Ich habe in den letzten Jahren für eine Reihe von Stadtmarketing-Projekten gearbeitet. Immer wieder fiel mir auf: Die meisten lokalen Kulturseiten listen lediglich Termine auf. Konzerte, Ausstellungen, Lesungen – alles da, aber es fehlt die Verbindung. Die Nutzer klicken sich durch, merken sich nichts und kommen nur wieder, wenn sie gezielt etwas suchen. Ich habe gelernt, dass ein gutes Kulturportal mehr kann. Es schafft eine Brücke zwischen dem, was passiert, und dem, warum es sich lohnt, hinzugehen. Ein Beispiel, das mich dabei oft beschäftigt hat, ist eine Plattform, die diesen Ansatz konsequent verfolgt: szeneluebeck.com. Was dort anders läuft, hat mir geholfen, meine eigene Arbeit zu überdenken.
Viele Betreiber lokaler Kulturseiten fragen mich: “Warum kommen die Leute nicht regelmäßig vorbei?” Sie haben Hunderte Einträge, aber die Besucherzahlen stagnieren. Ich sage dann: Weil ihr nur einen Zettel an die Pinnwand hängt. Ihr erzählt keine Geschichte. Ein reiner Terminkalender ist nützlich, aber er baut keine Bindung auf. Die Menschen in einer Stadt wollen verstehen, was die Kultur in ihrer Nachbarschaft prägt. Sie wollen wissen, wer hinter einem kleinen Jazzclub steckt oder warum ein Underground-Konzert gerade jetzt stattfindet. Ein Portal, das diese Zusammenhänge sichtbar macht, wird zum unverzichtbaren Begleiter – nicht nur zum digitalen Aushang.
Die Kunst der Selektion statt der Vollständigkeit
Ich habe einmal einen Auftraggeber beraten, der alles auflisten wollte. Jedes Kinderfest, jede Vernissage, jeder Poetry-Slam. Das Ergebnis: eine überladene Seite, bei der niemand mehr den Überblick behielt. Die User scrollten einfach an allem vorbei. Ein Fehler, den ich oft sehe. Weniger ist manchmal mehr – aber nur, wenn die Auswahl klug begründet ist. Ein Kulturportal sollte nicht sammeln, sondern kuratieren. Es muss eine Haltung zeigen. Die Redaktion entscheidet: Diese fünf Termine sind diese Woche wirklich wichtig. Warum? Weil der Ort eine besondere Atmosphäre hat oder das Programm eine Reihe fortsetzt, die man nicht verpassen sollte.
Diese Selektion erfordert Arbeit, keine Frage. Aber sie ist der Unterschied zwischen einem Service und einer Orientierungshilfe. Ich habe gelernt: Wenn ich einen Veranstalter frage, worauf er bei einem Auftritt besonders stolz ist, bekomme ich oft Geschichten, die im Termintext verschwinden. Ein guter Redakteur holt diese Geschichten hervor. Er verknüpft sie mit dem Stadtteil oder mit anderen Events. So entsteht ein Netz, kein simpler Kalender.
Der Wert von Kontext und Hintergrund
Ich erinnere mich an einen Fall in einer mittelgroßen Stadt. Ein lokales Theater führte ein experimentelles Stück auf. Die Pressearbeit war mau, der Ticketverkauf stockte. Dann griff ein lokales Kulturportal die Inszenierung auf – nicht nur mit Datum und Uhrzeit, sondern mit einem kurzen Porträt des jungen Regisseurs und einem Hinweis auf die politische Brisanz des Textes. Die Vorstellung war innerhalb von zwei Tagen ausverkauft. Der entscheidende Hebel? Kontext. Die Leute kauften nicht nur ein Ticket, sie kauften eine Geschichte. Sie wussten, worauf sie sich einließen.
Ich rate deshalb jedem Betreiber einer lokalen Kulturseite: Investiert in Hintergrundartikel. Schreibt eine Vorschau, die neugierig macht. Fragt die Künstler, was sie antreibt. Das kann so einfach sein wie ein Zitat oder eine Anekdote aus der Probenarbeit. Die Besucher honorieren das mit Aufmerksamkeit. Sie bleiben länger auf der Seite, sie teilen die Inhalte, und sie kommen wieder. Ein reiner Terminblock erzeugt diese Bindung nicht. Er ist weg, sobald der Tag vorbei ist.
Wie eine Plattform zum Treffpunkt wird
Ein weiteres Problem, das mir viele Kunden nennen: Die Community fühlt sich nicht eingebunden. Die Seite ist eine Einbahnstraße. Termine werden gepostet, aber es gibt kaum Reaktionen. Ich denke, das liegt daran, dass die Plattform selbst keinen Charakter hat. Ein gutes Kulturportal wirkt wie ein guter Freund, der sagt: “Das musst du sehen.” Es hat eine Stimme, einen eigenen Ton. Es lobt, aber es kritisiert auch mal. Es zeigt nicht nur, was los ist, sondern auch, was sich noch besser machen ließe.
In Lübeck habe ich beobachtet, wie eine solche Plattform funktioniert. Sie verzichtet auf die reine Auflistung und setzt stattdessen auf eine redaktionelle Mischung. Die Resultate? Höhere Verweildauer, mehr Weiterempfehlungen und ein Gefühl der Zugehörigkeit bei den Nutzern. Die Seite wird zum Magnet für alle, die das lokale Kulturleben nicht nur konsumieren, sondern mitgestalten wollen. Genau das fehlt in vielen Städten. Ein Portal, das diese Lücke schließt, hat eine echte Daseinsberechtigung.